Advent
Die "staade" Zeit
Im Advent muss man sich vorbereiten auf die Weihnachtsfeiertage. Die Ankunft Christi geht im allgemeinen Stress meist ein bisschen unter.
Man muss rechtzeitig die Weihnachtsgans bestellen, Plätzchen backen, einen Christbaum kaufen und den Weihnachtsschmuck suchen.
Dazu kommen noch die Weihnachtsfeiern: in der Kita, in der Schule, in der Firma, im Verein, mit den Freunden. Außerdem könnte man jetzt noch schnell die neue Brille bestellen, weil es ein Weihnachtssonderangebot gibt und die AirPods sind auch gerade unschlagbar günstig. Überhaupt, die ganzen Sonderangebote. Es fehlen doch noch einige Weihnachtsgeschenke.
War das früher auch schon so? Bei „früher“ fällt mir die Weihnachtsfeier im Reitstall ein. Das war für uns Jugendliche auch mit viel Arbeit verbunden. Es wurde im Stall gefeiert. Deshalb musste es picobello sauber sein.
Die Pferde kamen auf die Koppel, damit sie sich nochmal richtig austoben konnten. Währenddessen wurden die Ständer – tiergerechte Laufställe gab es damals nicht – gründlich ausgemistet und mit viel frischem, duftendem Stroh aufgefüllt. Die Pferde hatten sich draußen alle genüsslich auf dem feuchten Boden gewälzt und sahen aus wie S… Das hieß putzen, bis sie wieder glänzten, Mähne und Schweif von Stroh befreien und kämmen. Dann wurde gefegt.
Schließlich konnten die Biertische und -bänke aufgestellt werden. Ein langer Tisch durch die ganze Stallgasse. Eine weiße Papiertischdecke von der Rolle, darauf Papierteller mit Mandarinen, Lebkuchen und Nüssen auf Tannenzweigen und Kerzen! Wenn das die Feuerwehr gesehen hätte! Die Reitlehrerin war ziemlich risikofreudig aber auch die Gäste haben sich damals offenbar nichts dabei gedacht.
Tage vor dem großen Ereignis wurde schon der riesige Bollerofen am Eingang zur zugehörigen Wohnung aufgeheizt, bis er fast glühte. Schließlich war es sogar im Stall erträglich warm. Auf dem Bollerofen kochten wir auch die Bohnensuppe, die an alle ausgeschenkt werden sollte.
Dann war es endlich so weit. Die Suppe war fertig, Bier und Schnaps standen bereit, die Kerzen waren angezündet. Die Gäste kamen. Reiter, deren Familien, Sponsoren, Wohlgesonnene, wie der Bürgermeister des Ortes und unser Stargast:
Udo Jürgens!
Seine Frau Panja hatte ihr Pferd bei uns stehen und war eine regelmäßige Reiterin. Die Einladung zur Weihnachtsfeier hat das berühmte Paar in all den Jahren nie ausgeschlagen.
Und für alle, nicht nur für uns junge Mädchen waren diese Feiern unvergesslich. Treuere Fans konnte unser Star nicht haben.





